Wolfschlugen · vertima.de
Fallstudie Vertima: Lexware behalten, Handarbeit loswerden
Ausgangslage: drei Datenbanken und ein dickes Lastenheft
Vertima liefert Aufzugs- und Gebäudetechnik, zum Teil ab eigenem Lager, zum größeren Teil direkt über Fertiger. Lexware professional läuft auf fünf Arbeitsplätzen, rund 1.600 Ausgangsrechnungen gehen im Jahr raus.
Über die Jahre waren drei getrennte Datenbestände entstanden: Lexware für Angebote, Aufträge und Rechnungen, cobra als Adressbuch für Kunden und IONOS für Website und Newsletter. Kundendaten wurden doppelt gepflegt, und niemand wusste sicher, welcher Stand stimmt.
Geschäftsführer Markus Stucke hatte deshalb ein Lastenheft mit 20 Kapiteln geschrieben, von der gemeinsamen Kundendatenbank bis zum Kundenportal. Zur Wahl standen zwei Wege: alles in Lexware zusammenziehen oder ein komplett neues Gesamtsystem. Beides wäre groß geworden, mit Datenumzug, Schulung und einer langen Zeit, in der zwei Systeme parallel laufen.
Beim ersten Kontakt ging es uns deshalb nicht um ein neues Programm, sondern um die Frage: Wo bleibt im Büro wirklich Zeit liegen?
So sind wir vorgegangen
Schritt 1: Zuhören, bevor man etwas empfiehlt
Im ersten Termin kam heraus: Ein einziges System ist gar nicht zwingend. Zwei oder drei Programme sind in Ordnung, solange sie sauber zusammenarbeiten und nichts doppelt getippt wird.
Schritt 2: Eine ehrliche Bestandsaufnahme
Wir haben recherchiert, was Lexware in der vorhandenen Ausgabe kann und was nicht, und daraus eine Übersicht mit möglichen Wegen gemacht. Markus Stucke nannte sie „eine sehr gute Grundlage, um das weitere Vorgehen zu entscheiden“. Seine Entscheidung danach: „Lexware werden wir im ersten Step nicht ablösen.“ Erst aufräumen und automatisieren, über einen Wechsel später nachdenken.
Schritt 3: Vor Ort am echten Bildschirm
Statt nach Handbuch zu planen, haben wir uns bei Vertima neben die Buchhaltung gesetzt und zugeschaut, wie eine Rechnung wirklich durchs System läuft. Genau dort, am echten Bildschirm, kam die Idee für den Tastenhelfer.
Was wir umgesetzt haben
1. Eingeschaltet, was Lexware schon kann
Ein großer Teil der Wünsche war gar kein Bauprojekt, sondern eine Einstellung:
| Thema | Vorher | Nachher |
|---|---|---|
| Bankabgleich | In Lexware vorhanden, aber aus Vorsicht nie eingeschaltet. | Lexware holt die Kontoumsätze selbst ab und schlägt vor, welche Zahlung zu welcher Rechnung gehört. Gemeinsam im Termin eingerichtet, beim ersten Abruf kamen 580 Kontosätze herein. |
| Rechnungen an die Steuerkanzlei | Die Dateien wurden von Hand in einen Ordner gelegt. | Jede Ausgangsrechnung geht automatisch in Kopie an die Kanzlei, über den Postfach-Weg von DATEV, den die Kanzlei selbst vorgeschlagen hat. |
| Mahnwesen in drei Stufen | Gewünscht, und unklar, ob dafür etwas gebaut werden muss. | Kann Lexware ohne Zusatzmodul. Nur einrichten, nichts bauen. |
2. Ein Tastenhelfer für die Eingangsrechnung
Eine Stelle blieb, die Lexware nicht von allein abkürzt. Wenn die Rechnung des Lieferanten kommt, wird aus dem Wareneingang eine Eingangsrechnung. Das sind jedes Mal dieselben Fenster und dieselben Tasten: Nummern umtragen, Versandkosten als eigene Position anlegen, speichern, buchen, in die Buchhaltung wechseln, ausbuchen, zurück. Nur zwei Dinge ändern sich: die Rechnungsnummer des Lieferanten und der Betrag für Verpackung und Versand.
Eine Schnittstelle, über die man das von außen erledigen könnte, hat die Desktop-Ausgabe von Lexware nicht. Also bedient der Helfer Lexware so, wie es ein Mensch tun würde:
Von Hand · 10 Schritte, Klick für Klick
- 1Feld für die Lieferanten-Rechnungsnummer leeren
- 2Projektnummer kopieren
- 3Rechnungsnummer aus Lieferant und Projekt zusammensetzen
- 4Positionsart „Nebenleistung“ wählen
- 5Bezeichnung „Verpackungs- und Versandkosten“ eintragen
- 6Betrag eintragen
- 7Speichern und „gebucht“ anhaken
- 8In die Buchhaltung wechseln
- 9Stapel ausbuchen und bestätigen
- 10Zurück in die Warenwirtschaft
Mit Tastenhelfer · 2 Tasten
- F5Rechnungsnummer und Versandkosten eintippen
- ✓Positionen prüfen, so lange man will
- F6„gebucht“ anhaken, noch einmal F6. Fertig.
Wichtiger als die gesparte Zeit ist, dass der Weg jetzt jedes Mal derselbe ist. Die Mitarbeiterin gibt zwei Werte ein und prüft die Rechnung. Das Abtippen in Lexware übernimmt der Helfer, und zwar immer gleich:
- Gleiches Format: Die Rechnungsnummer steht immer gleich aufgebaut im Beleg, aus „RE“, der Nummer des Lieferanten und der Projektnummer.
- Gleiche Position: Die Versandkosten landen immer unter derselben Bezeichnung. Ein ähnlicher Eintrag in der Auswahlliste reicht dem Helfer nicht.
- Nichts vergessen: Das Ausbuchen in der Buchhaltung passiert direkt nach dem Speichern. Früher war das ein eigener Schritt, den man vergessen konnte.
- Anhalten statt raten: Sieht etwas anders aus als erwartet, hält der Helfer an und fragt nach, statt weiterzutippen.
Die Kontrolle bleibt im Büro. Der Helfer entscheidet nichts, geprüft wird weiter von Hand. Und er schreibt nichts an Lexware vorbei in die Datenbank.
Seit dem 19. September 2026 läuft der Helfer im Alltag, zwei Mitarbeiterinnen im Büro arbeiten damit. Vorher hat Markus ihn selbst mit echten Rechnungen getestet, seine Rückmeldungen sind direkt eingeflossen. Für das Büro gibt es eine Anleitung auf einer Seite.
Wie die Wege im Einzelnen aussehen, steht in unserem Artikel Lexware automatisieren ohne Schnittstelle.
Das Ergebnis: jedes Mal gleich, und schneller
Jede Eingangsrechnung läuft jetzt auf demselben Weg. Das Abtippen erledigt der Helfer, die Mitarbeiterin konzentriert sich auf die Prüfung. Das macht den Ablauf weniger fehleranfällig. Schneller ist er auch: Von Hand dauerte eine Eingangsrechnung vom Wareneingang bis zur ausgebuchten Rechnung rund drei Minuten, mit dem Tastenhelfer ist es eine. Statt zehn Arbeitsschritten mit Maus und Tastatur, Feld für Feld und Fenster für Fenster, sind es zwei Tasten: F5 und F6. Die Minuten stammen aus dem Betrieb.
Auch abseits der Eingangsrechnung ist Handarbeit weggefallen: Die Kanzlei bekommt jede Ausgangsrechnung, ohne dass jemand daran denken muss, und die Kontoumsätze landen von selbst in Lexware. Und das alles ohne Umzug auf ein neues System und ohne Schulung.
Der rote Faden: erst nutzen, was da ist
Der Wert dieses Projekts liegt nicht im Tastenhelfer, sondern in der Reihenfolge. Bevor man ältere Software ersetzt, lohnt sich ein genauer Blick, was sie heute schon kann. Oft ist das mehr, als im Alltag genutzt wird. Erst danach werden die immer gleichen Handgriffe abgekürzt.
Ehrlich gesagt hat der Weg eine Grenze: Ein Tastenhelfer ist kein Ersatz für eine echte Schnittstelle. Ändert Lexware bei einem Update Fenster oder Felder, muss er neu eingestellt werden. Deshalb hält er bei allem Unerwarteten an.
Wie es weitergeht
Lexware bleibt vorerst. Als Nächstes stehen die Kundendaten an, die heute noch getrennt liegen, und der Newsletter. Über einen Systemwechsel kann Vertima danach in Ruhe entscheiden, mit klarerem Blick dafür, was ein neues System wirklich können muss.
Habt ihr auch ein Programm, das gut ist, aber zu viele Klicks braucht?
Schreibt uns, welcher Ablauf bei euch jedes Mal gleich läuft. Dann schauen wir gemeinsam, ob das Programm es schon selbst kann oder ob sich ein Helfer lohnt.
Unverbindlich meldenHäufige Fragen
Wie groß ist der Betrieb, in dem das läuft?
Die Vertima GmbH aus Wolfschlugen liefert Aufzugs- und Gebäudetechnik. Lexware läuft auf fünf Arbeitsplätzen, mit dem Tastenhelfer arbeiten zwei Mitarbeiterinnen. Für so einen Helfer muss ein Betrieb nicht groß sein, es reicht ein Ablauf, der jeden Tag gleich läuft.
Kann man Lexware automatisieren, obwohl es keine Schnittstelle hat?
Ja, über die eigene Oberfläche. Ein Tastenhelfer übernimmt immer gleiche Klickwege. Viele Wünsche lassen sich außerdem mit Funktionen lösen, die Lexware schon mitbringt, etwa Bankabgleich oder Mahnwesen.
Ist das sicher für unsere Buchhaltung?
Der Helfer schreibt nicht in die Datenbank, sondern bedient Lexware wie ein Mensch. Geprüft wird weiter von Hand, und bei Abweichungen hält er an.
Was passiert bei einem Lexware-Update?
Wenn sich Fenster oder Felder ändern, muss der Helfer neu eingestellt werden. Er merkt das, weil er vor jedem Schritt prüft, ob er im richtigen Feld steht.
Lässt sich das auf unseren Betrieb übertragen?
Das Prinzip ja, der Zuschnitt ist individuell. Viele Betriebe arbeiten mit älterer Software ohne Schnittstelle, ob Warenwirtschaft, Branchenprogramm oder Buchhaltung. Wo bei euch der größte Hebel liegt, zeigt der kostenlose KI-Check.